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Gott ist in den Menschen Melissa Etheridge ist eine der seltenen Musikerinnen, die es geschafft haben, sich jahrzehntelang im Rockbusiness zu halten. Ihrem Durchbruch mit einem Album, in dem sie rockig einer verflossenen Liebe nachtrauert,folgen mehre Hits, von denen jeder auf einzigartige Art und Weise ihre Fans begeistert. Auch dieses Werk ist gleichermaßen charakteristisch wie einzigartig. Es ist typisch Melissa und dennoch anders als alle vorangegangenen. Nachdem ich mir einige Alben von Melissa Etheridge (ich gestehe: ich habe sie nicht alle) angehört habe, bin ich zu dem Schluß gekommen, dass mit dieser Künstlerin über die Jahre hindurch etwas sehr Schönes passiert ist: Sie hat ihren Charakter weiterentwickelt. Wie schon auf "The Road Less Travelled", ihrem Greatest Hits Album, blickt sie in mehreren Songs auf ihr Leben zurück. Im düsteren "This Is Not Goodbye", das auf dem Vorgänger zu The Awakening enthalten ist, hofft sie noch bang, sich nicht endgültig von den Fans und ihrer Welt verabshieden zu müssen. Auf The Awakening ist von Abschied keine Rede mehr: The Rockqueen is back! Stärker, furchtloser un d vor allem weiser als zuvor. Auf diesem Album läßt sie uns an den Lehren teilhaben, die sie aus ihrem bewegten Leben mitgenommen hat. Im Booklet weist sie darauf hin, dass es sich bei The Awakening um eine "Konzeptions-CD" handelt. Sie empfiehlt, sie bei einem Gläschen Rotwein in Ruhe von Anfang bis zum Schluß durchzuhören. Genau das tue ich und muß ihrem Rat zustimmen. Nach dem gospelähnlichen Intro betrachtet die Sängerin die junge, herzensbrechende Melissa. Sie versucht, sich ihre Fehler von damals zu vergeben. "Message To Myself" beschreibt sie in einem Interview als Lied, dass ihr helfen soll, sich daran zu erinnern, dass sie es trotz ihrer Fehler von einst gut hat, dass sie mit sich selbst ins Reine gekommen ist. "Map of the Stars" ist den Vielen gewidmet, die vom schnellen Erfolg in Hollywood träumen. Wieder einmal ermahnt Melissa jeden, der/die es hören will, nicht für andere, nicht für die Karriere, nicht für die Presse, sondern ausschließlich für sich selbst zu leben. Für jemanden, der es selbst auf der Karriereleiter bis ganz nach oben geschafft hat und mit namhaften Politikern befreundet ist, eine sehr bemerkenswerte Aussage. Sie leitet über zu ihren spirituellen Vorstellungen. Melissa Etheridge scheint ihren Frieden gefunden zu haben. Nachdem sie mehr geschafft, mehr Geld verdient, aber auch mehr durchgemacht hat als viele anderen Menschen dieses Planeten, kommmt sie zu der Erkenntnis, dass der einzelne Mensch nur durch einen einzigen Weg wirklich etwas in der Welt verändern kann.: "All We Can Really Do is Love One Another" singt sie. Gerade den Frauen und den frauenliebenden Frauen, denen ihr Engagement gilt, deren Community ja seit jeher eher weniger für innere Harmonie bekannt ist, sei das, wie allen anderen Menschem auch, ins Stammbuch geschrieben. Altruistisch weist sie ihren ZuhörerInnen den Weg und zeigt ihnen, wo auch sie Gott finden können: "God is in the People". Ein paar Lieder später beschreibt sie, wie sie sich ihren "Gott" vorstellt: "My God is Love. My God is Peace. My God is you. My God is Me." Da hat sie wohl recht: Yeah, God is in the people, Gott ist in den Menschen, in Dir auch, Melissa. Danke für dieses Album. |